Dienstag, 13. Mai 2025 von 19:00 bis 21:30 Uhr

Gründung einer Bürgerenergiegesellschaft – Chancen für den ländlichen Raum am Beispiel von Homberg (Ohm)
Dienstag, 13. Mai 2025 von 19:00 bis 21:30 Uhr
Themenschwerpunkt: Finanzierung und Kooperation im Rahmen der Energiewende
Am 13. Mai 2025 fand in Homberg (Ohm) die zweite Präsenzveranstaltung der Reihe „Kommunen im Austausch: Energiewende aktiv gestalten“ statt. Rund 50 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch über aktuelle Projekte und Herausforderungen rund um die kommunale Energiewende.
Im Zentrum der Veranstaltung stand das Thema bürgergetragene Energiewende. Sie zeigt, wie Kommunen als Partner der Zivilgesellschaft den Aufbau solcher Genossenschaften unterstützen können. An drei Thementischen wurden die Themen „Gründung einer Bürgerenergiegesellschaft“, „Möglichkeiten der finanziellen Beteiligungen für Grundstückseigentümer und -eigentümerinnen“ sowie „Realisierung energieautarker Gemeinden“ in wechselnden Kleingruppen diskutiert. Dabei wurde deutlich, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Bürgerschaft, kommunalen Akteurinnen und Akteuren sowie Fachexpertinnen und -experten ist sowie welche zentrale Rolle Kommunen als Partner der Zivilgesellschaft beim Aufbau von Bürgerenergiegesellschaften einnehmen, und diese vorantreiben können.
Ein besonderer Fokus lag auf dem Thementisch zur Beteiligung von Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern. Dort wurde das Anliegen „Chancen der Bürger – was sind meine Möglichkeiten als Grundstückseigentümer? Wie kann ich mitmachen?“ intensiv erörtert. Es war erforderlich und bot sich an, den Interessierten die grundsätzliche Ausrichtung der zwischen Stadt Homberg und der Energiegenossenschaft angedachten gemeinsamen EnergieHomberg GmbH sowie der danach zu gründenden, separaten Projektgesellschaft darzulegen. Diese Gesellschaft wäre potenziell die pachtende Einheit bei interessierten Grundstückseigentümern. Ein zentrales Thema war hierbei die mögliche steuerliche Belastung durch den Abschluss solcher Pachtverträge: Sobald bislang landwirtschaftlich genutzte Flächen einer Umwidmung unterliegen – etwa zu gewerblichem Grundvermögen –, steigt der Feststellungswert, was wiederum zu einem erhöhten Grundsteuermessbetrag führt. Dies kann eine deutlich höhere Grundsteuerbelastung für die Eigentümer nach sich ziehen und einen Großteil des potenziellen Mehrerlöses aus der Pacht kompensieren.
Bei den Teilnehmenden zeigten sich entsprechende Unsicherheiten – sowohl hinsichtlich der steuerlichen Auswirkungen als auch bezüglich der Langfristigkeit solcher Entscheidungen. Landwirtschaftliche Betriebe sind häufig über Generationen hinweg strukturiert, und die Vergabe von Flächen für lange Zeiträume (z. B. 25 Jahre) erfordert einen nachhaltigen Planungshorizont für aktive wie ruhende Betriebe gleichermaßen.
Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war die Feststellung, dass durch eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern – insbesondere der Stadt Homberg und der Energiegenossenschaft – ein offenerer, verlässlicherer Dialog möglich ist als bei Projekten mit externen Akteuren. Es wurde betont, dass die derzeit von Fremdprojektierern in Aussicht gestellten hohen Pachtzahlungen in der Praxis oft nicht realisiert werden, sondern vielmehr als Lockangebote zur Interessenbündelung und zum Abschluss von Vorverträgen dienen. Die tatsächliche Ausgestaltung von Pacht- und Nutzungsverträgen erfolgt häufig erst viel später, wenn belastbare Projektdaten vorliegen – und bewegt sich dann meist deutlich unter den ursprünglich angekündigten Beträgen.
Eine Nachbargemeinde konnte wichtige Impulse für die Weiterentwicklung ihres Projekts „Energieautarkes Dorf“ mitnehmen. Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer erhielten vertiefte Einblicke in die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen bei der Beteiligung an Bürgerenergiegesellschaften – ein Thema, das gerade im ländlichen Raum oft mit Unsicherheiten behaftet ist. Besonders im Fokus stand die Stadt Homberg (Ohm), die sich aktuell in der Gründungsphase einer eigenen Bürgerenergiegesellschaft befindet. Durch Rückmeldungen aus der Bürgerschaft und von Vertreterinnen und Vertretern umliegender Kommunen konnten konkrete Anregungen für die weitere Ausgestaltung gesammelt werden. Die Veranstaltung wurde von vielen als sehr positiv bewertet; aus Sicht der Veranstaltenden war zudem erkennbar, dass eine große Anzahl potenziell betroffener Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer anwesend war.
Die Veranstaltung verdeutlichte erneut, wie bedeutend gemeinsames Lernen und lokale Netzwerke für das Gelingen der Energiewende sind. Sie war die erste Veranstaltung, die im Rahmen des Themenschwerpunkts „Finanzierung und Kooperation in der Energiewende“ durchgeführt wurde. Dieser Themenschwerpunkt beleuchtet zentrale Möglichkeiten der Zusammenarbeit und finanziellen Gestaltung für Kommunen und Bürgerinnen und Bürger, um die Energiewende aktiv mitzugestalten.
Das Beispiel Homberg (Ohm) bot anschauliche Einblicke, wie Bürgerenergiegesellschaften durch gemeinschaftliche Finanzierung und partnerschaftliche Zusammenarbeit konkrete Fortschritte auf kommunaler Ebene ermöglichen können.
Im Herbst wird der Themenschwerpunkt mit einer digitalen Abschlussveranstaltung abgerundet, in der die Erkenntnisse aus den verschiedenen Einzelveranstaltungen reflektiert und gemeinsam ausgewertet werden. Dabei wird diskutiert, welche Akteure aktiv geworden sind, welche Erfahrungen sie gemacht haben und welche weiterführenden Kooperationsmöglichkeiten sich daraus ergeben.



Präsentation von Björn Köhler, EGV - "Homberger Flächen für Homberger Energie"
Datum:
Dienstag, 13. Mai 2025
Zeit:
19:00 - 21:30 Uhr
Walter-Seitz-Platz,
35315 Homberg (Ohm) in Hessen